BERICHTE

Berichte unserer Törns, Veranstaltungen und Regatten und Presseberichte.

SKS-Ausbildungstörn April 2012

1. Tag, 05:00 Uhr

Alle anwesend am Treffpunkt in Ilvesheim, Abfahrt Richtung Südfrankreich. Über die Autobahn nach Süden, durch die Schweiz nach Frankreich um die Staus bei Lion zu vermeiden. Ab Autobahnende geht es auf Landstraßen über den Pass Croix Haute (1169 m) zur nächsten Autobahn. Der inzwischen anhaltende Regen wird mit zunehmender Höhe zu einem ausgewachsenen Schneesturm. Doch je näher wir der Küste kommen, umso trockener und sonniger wird es. Kurz nach 1700 h erreichen wir, bei jetzt schönstem Frühlingswetter die Marina in Bormes les Mimosas und übernehmen dort unsere Yacht. Wir, das sind Alexander, Christoph, Jörg, Jürgen und Manuel sowie Arnold (Skipper) und Rico (Co-Skipper)...


Alexander, Christoph, Jörg, Jürgen und Manuel sowie Arnold (Skipper) und Rico (Co-Skipper)

2. Tag

Für den Ausbildungstörn ist System 7, 8, 9 (0700 h aufstehen, 0800h Frühstück, 0900 h ablegen) angesagt, das für den gesamten Ausbildungstörn gilt. Nach dem Frühstück beginnt die Ausbildung mit einer sehr detaillierten Schiffs- und Sicherheitseinweisung, in die der Bootscheck integriert wird. Gründlichkeit kostet Zeit, doch gegen Mittag sind wir fertig. Jetzt geht es raus aus der Marina. Während im Golf  de Lion der Mistral kachelt haben wir nur Windstärke 2-3 aus West. Mit ausreichendem Abstand starten wir vor der Hafeneinfahrt mit dem Training. Auf dem Programm steht steuern nach Landmarken und nach Kompass sowie  nach Wind und Welle. Außerdem, als Vorbereitung für das trainieren von Hafenmanövern, kursneutrales anfahren und aufstoppen - sowohl vor- als auch rückwärts.

2. Tag
Bei diesen Praxisübungen werden die Auswirkungen von rechts- und linksdrehender Schraube ebenso eindrucksvoll deutlich wie die Kräfte, die bei Rückwärtsfahrt auf das Ruderblatt wirken und deren Auswirkungen, wenn das Rad nicht fest in der Hand liegt. Auch erste Übungen zum Wenden auf der Stelle stehen auf dem Programm sowie Hinweise auf die Windwirkung bei Hafenmanövern und wie man den Wind bei diesen nutzt. Dann fahren wir zurück in die Marina und üben rückwärts einparken an einem unbelegten Steg. Kurz nach 1900 sind wir wieder am Liegeplatz fest und ziemlich geschafft. Das erste an Bord bereitete Abendessen zeigt, dass Gourmetköche an Bord sind. Danach wird der Tag besprochen und das Programm für den Folgetag. Diese abschließenden Besprechungen mit Manöverkritik werden tägliche Routine.

3. Tag

Das gestern im freien Wasser geübte wird heute in den engeren Verhältnisse im Hafen bei ordentlich Wind (4-5 Bft.) umgesetzt. Mit kursneutralem anfahren und aufstoppen, drehen auf der Stelle und rückwärts einparken, wobei immer engere Stellen für diese Übungen gewählt werden, vergeht die erste Tageshälfte wie im Fluge. Nach dem Mittagssnack geht es dann wieder raus aus dem Hafen - Boje über Bord-Manöver unter Motor und Segel sind angesagt. Die „reine Freude“ auch für Hände und Bizepts, denn bis jeder diese Manöver mindestens zweimal gefahren hat vergehen Stunden. Nach einiger Zeit gelingt das schon recht gut. Kommentar des Skippers: „missfällt mir nicht gänzlich“! Auch heute sind wir wieder erst relativ spät am Liegeplatz fest. Trotzdem wird in der Pantry noch gezaubert - ein Super-Menue mit vielen Garnelen.

3. Tag
Kurz vor Mitternacht, entdeckt Christoph im Schrank der Backbordkabine achtern erst nasse Kleidung und dann viel Wasser am Boden. Auch diese Erfahrung ist nützlich. Zuerst der Test, ist es Süß- oder Salzwasser. Da es sich um Süßwasser handelt ist klar, es ist nicht schlimm sondern nur lästig. Die Ursache ist schnell gefunden - eine undichte Schlauchleitung am Warmwasserboiler unter den Kojen. Mit dem „Allheilmittel Tape“ hat Christoph das Problem dann schnell behoben. Bleibt nur noch, das Wasser im Schrank und unter dem Boiler auszuösen und die nassen Plünnen zu trocknen.

4. Tag

7, 8, 9, dann wird erst mal geübt, wie man einen Poller mit geworfener Leine vom Boot aus einfängt. Parallel erläutert Rico den Unterschied zwischen Pfannen-Hoch und Kühlschrank-Tief. Lieber Rico, auch wenn wir niemals durch eine Bratpfanne segeln werden, deine Erläuterung war sehr anschaulich und hat den Zuhörern „nicht gänzlich missfallen“! Nach verlassen des Hafens werden die Segel gesetzt und bei 4-5 Bft. reihum das halsen geübt. Danach liegt Kurs Ile de Poqueroll an. Die Strecke wird mit Manöverkreisen zurückgelegt. Also immer wieder die Kurse und Manöver Amwind, Halbwind, Raumschot, Halse, Raumschot, Halbwind, Amwind, Wende gefahren und danach das Steuer an den nächsten übergeben. Kurz vor Porqueroll gibt der am Traveller angeschlagene und die Großschottalje haltende Schäkel den Geist auf. Sofort gehen wir mit der Genua hoch an den Wind um den nicht mehr gehaltenen Baum und die frei fliegende Großschot einzufangen und zu sichern. Anschließend wird erst mal das Großsegel geborgen. In der Ersatzteilkiste gibt es zwar einige Schäkel, aber keinen in passender Größe.

Ein schneller Rundblick zeigt, dass die Schäkel, mit denen die Blöcke des Baumniederholers befestigt sind, passen müssten. Ein Block wird hier also abgeschlagen und der dadurch frei gewordene Schäkel zwischen Traveller und Großschottalje angeschlagen. Nach 30 Minuten kann die Fahrt mit beiden Segeln fortgesetzt werden. Auch dies eine gute Erfahrung für die Praxis. Kurz nach 1700 h sind wir in Poquerolles fest und besorgen erst mal einen neuen Schäkel um wieder alle Umlenkpunkte des Baumniederholers klar zu haben. 

4. Tag
Außer Schäkel gibt es auf der Ile de Porquerolles auch Geschichte und Ruinen. Nichts für Weicheier nach einem langen und anstrengenden Tag. Nur einer steigt hinauf zum Château de Porquerolles mit Fort Sainte-Agathe um die schöne Aussicht auf Buchten, Hafen und Festlandküste zu geniesen.

5. Tag

5. Tag
Immer noch Mistral mit 26 bis 29 kn (in Böen schon gute 7 Bft.) und einer 2-3 m Welle. Realistische Bedingungen für Manövertraining. Wir müssen nach St. Madrier, also genau gegen an. Unter Segeln heißt das kreuzen und doppelte - bei diesem Wind und deshalb gerefften Segeln - auch dreifache  Strecke.

Doch so viel Zeit haben wir nicht. Also Motorfahrt und nach Durchfahrt der Petit Passage MOB- Manöver unter Motor. Nach deshalb fast permanenter Karussellfahrt erreichen wir die Bucht von Toulon. Dort kontaktiert uns die Marine und wir müssen das Fahrwasser verlassen um einem ausfahrendem U-Boot Raum zu geben. Ab 1530 h trainieren wir in der Marina von St. Madrier  wieder Hafenmanöver. Zuerst anlegen längsseits an Backbord und Steuerbord mit eindampfen in die Spring beim ablegen. Hierfür nutzen wir den Steg der Personenfähre, die zwischen Toulon und hier pendelt und permanent beobachtet werden muss. Danach geht es reihum römisch/katholisch an den Steg. Um 2015 h sind wir am Liegeplatz fest, nachdem erst mal das Landstromkabel des Nachbarbootes und die Mooringleine auseinander klabüstert werden mußte. Es war wieder ein langer und anstrengender Tag. Trotzdem hat die Crew noch genug Elan um ein lukullisches Essen zu richten. Ein Hoch auf die Köche.

6. Tag

Moderater Wind beim ablegen. Sofort hinter der Hafeneinfahrt werden die Segel gesetzt. Um 1400 müssen wir zurück sein - zur Prüfung. Vorher wollen wir noch mal alle prüfungsrelevanten Segelmanöver trainieren. Deshalb mindestens zweimal pro Kandidat das volle Programm: einreffen in Fahrt, Manöverkreis - also alle Kurse mit Wende und Halse, Boje über Bord unter Segeln, Beiliegen, Steuermannwechsel und jetzt mit ausreffen in Fahrt das gleiche Programm bis alle durch sind. Nach vielen Kreisen, Segelmanövern, Schoten holen und fieren und einiger Winschkurbelei - während es kontinuierlich aufbriest - sind wir rechtzeitig wieder am Steg und erwarten die Prüfer. Zuerst dann der Verwaltungsakt mit Check der Prüfungsunterlagen etcetera. Als sich beim - freiwilligen - Ablegen die Backbord-Achterleine am Steg verklemmt und das Boot anfängt sich in der Box zu drehen, geht der Adrenalinspiegel prüfungsbedingt steil nach oben. Dann wird der Hafen verlassen und Segel gesetzt. 

6. Tag
Inzwischen haben wir 4 Bft., zunehmend auf 5 Bft. Anspruchsvolle Prüfungs-Rahmenbedingungen für Alexander, Christoph, Jörg, Jürgen und Manuel. Eine schwere Phase auch für die Ausbilder, denn sie dürfen jetzt nicht mehr eingreifen. In einigen Prüfungsphasen war der ein- oder andere ziemlich „von der Rolle“ - wie im Anschluß der Prüfer kommentierte.

Dafür, dass die  Ausbilder sich gelegentlich auf die Zunge bissen und bei ihnen der Kopf manchmal rot anschwoll, gab es Gründe. Es war wohl doch nicht alles, was intensiv vermittelt wurde, in den Köpfen der Prüflinge angekommen - so die Meinung von mindestens einem Prüfling. Insgesamt war jedoch alles unter Kontrolle und vor Allem, es wird das Ausbildungsziel erreicht. Alle bestehen die Prüfung! Wieder zurück und am Steg, gratulieren Prüfer und Ausbilder. Natürlich kam jetzt auch der berechtigte Hinweis des Prüfers, dass keiner glauben solle, dass die bestandene Prüfung ausreichen würde, um jetzt schon als Skipper los zu fahren. Arnold bezeichnet die bestandene SKS-Schein-Prüfung als "die Lizenz zum üben“. Egal: Hauptsache wir haben den Schein. Der Rest des Tages wird mit Relaxen, gutem Essen, Trinken, Klönen und in Feierlaune verbracht.

7. Tag

System 7, 8, 9, gilt noch immer, denn wir müssen zurück zum Ausgangshafen. Um 1700 h soll Boot am Chartersteg fest sein. Immer noch herrscht Mistral, also westlicher Wind. Nach dem ablegen und gleich außerhalb der Hafeneinfahrt wird Segel gesetzt. In der Bucht von Toulon sind die Verhältnisse noch moderat. Außerhalb der Landabdeckung haben wir den echten Wind mit zum Teil über 30 kn und eine 3 m Welle. Kein Problem bei unserem Raumschotkurs. 

7. Tag
Mit teilweise über 8 kn Fahrt geht es Richtung Bormes les Mimosas. Gelegentlich sind Kursänderungen nötig, bei denen das Heck durch den Wind muss. Kein Problem, das wurde geübt. Auch, wie der Wechsel am Steuer richtig abläuft - wie das Bild zeigt. Kursbedingt ist es ein toller Segeltag. Auf Yachten mit Gegenkurs dagegen ist es kalt und nass und die Crews haben zu kämpfen. Nur wenige Schiffe kommen uns deshalb entgegen - unter Segeln nur ein oder zwei.

Beim bergen der Segel vor der Hafeneinfahrt zeigt der Wind uns noch einmal seine volle Kraft, als sich eine fliegende Genuaschot in einem am Mast hängenden Fallbunch verhakt und mit diesem verknotet – da hat ein Schotmann mal kurz nicht aufgepasst. Die hierdurch ausgelösten Reaktionen des Schiffs machen den frisch gebackenen SKSlern eindrucksvoll bewusst, welche Kräfte wirklich wirken. Nachdem alle Segel weg sind wollen wir unter Motor in den Hafen einfahren. An der Hafeneifahrt werden wir vom Hafenmeister gestoppt. Er will des Windes wegen mit seinem Schlauchboot dabei sein um bei Problemen eingreifen zu können. Wir sollen warten bis er eine andere Yacht an den Liegeplatz begleitet hat. Zuerst wollen wir dann tanken. Das anlegen an der Tankstelle klappt vorzüglich (Skipper ansagend und auf Stand-by-Position). Der dieses Manöver fahrende (neue) SKS-Schein-Inhaber meinte anschließend: „ich wusste gar nicht wie ich da ran kommen sollte“. Schnell erledigt war dann das ablegen von der „Tanke“ und dank genügend Fahrt das rückwärts anlegen mit dem Wind. Aus gutem Grund fuhr der Skipper dieses Manöver. Kurz danach: Alles fest! Alles gut gelaufen! Alle zufrieden!

8. Tag

Wecken, Duschen, Packen, Club-Stander einholen, Frühstück, problemloser Check out, Gepäck in die Autos, Rückfahrt. Am Abend waren 5 neue SKS-Schein-Inhaber mit Skipper, Co-Skipper und vielen neuen Erfahrungen wieder zurück im Großraum Mannheim.

 

Bericht von Thomas WolffArnold Wilhelm / Alexander Ottmann

 

Tags: Ausbildung SKS Frankreich

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