BERICHTE

Berichte unserer Törns, Veranstaltungen und Regatten und Presseberichte.

Bodensee-Rund-um 2010

31.05.2010 / Anreise

Die Crew, Skipper Michael Herrmann, Co Skipper Ernst Hannemann, Navigator Dirk Pohl (kommt erst morgen) Trimmer Michael Neumann und ich (Jürgen Klingert) als Steuermann reisen aus den verschiedenen Himmelsrichtungen an.

17:00 Uhr die Übergabe der Bavaria Match35 (mit der Nr. 4) erfolgt durch den Geschäftsführer H. Mack persönlich. Zügig werden die Punkte abgehakt. Das Boot hat durch die vorangegangene MatchRace-Woche gelitten – die Macken sind mit Tape markiert. Für uns sind die Schrammen nicht relevant, solange man sie uns nicht anlastet. Zum Entladen sind sind 2 Stunden Parken kostenfrei. Jeder hilft jedem, so geht das zügig von der Hand. Im Anschluß verholen wir die Autos nach Langenargen. Hinter der Fa. Vetter sind kostenfreie Parkplätze, die Ausschilderung läßt zu wünschen übrig. Es ist bereits 20:00 Uhr und es ist frisch hier (14°C). Kurz besichtigen wir Langenargen und kehren im Löwen ein. Als Nebenjob erhalte ich die Bordkasse.

01.06.2010 / Erster Trainingstag

Um 09:15 Uhr stößt Dirk zu uns. Die Crew hat bereits ihr erstes Frühstück im Cafe „Ahoi“ zu sich genommen. Es ist nicht wesentlich wärmer als gestern so um 15°C und es regnet häufig. Zur Vorbereitung schlagen wir die Spileinen an und räumen die Polster der Vorschiffkabine weg. Wir bunkern Wasser und laufen um 10:15 Uhr aus. Um 10:30 Uhr werden die Segel gesetzt. Ostwind mit 5 kn bringt uns mit 5 km/h voran (Wie läßt sich nur die verdammte Logge auf kn umstellen). Skipper Michael vermittelt uns seine Erfahrungen aus dem Spi-Seminar vor 2 Wochen. Auch die Notmanöver!.

Das erfolgreiche Spisetzen erfüllt uns mit Stolz. Wir merken aber auch die ersten Nachteile unserer Leinenvorbereitungen an Land. Ich laß mir das Shiften von Michael noch mal genau zeigen. Dazu mach Dirk den Rudergänger, denn je harmonischer die Halse gefahren wird, desto besser läuft die Shifte. Da wir bereits vor Friedrichshafen unter Land kommen, bergen wir den Spi. Jetzt machen wir wieder Höhe wobei der Wind auf 7-8 kn auffrischt. Regen ist unser Begleiter. Auf Raumem Kurs sind wir wieder unter Spi und lernen, daß der Topnant zwischen den beiden Genuaschoten gefahren werden muß, sonst läßt sich die Genua nicht ohne Abschlagen des Spibaumes shiften.

Dann schläft der Wind schläft ein und der Spi wird geborgen - das ist Training! Nach kurzer Windstille frischt es wieder auf 3 kn auf und wir setzen den Spi erneut (ohne die Genua zu Hilfe zu nehmen). Diesmal bin ich Rudergänger – die geplanten Strukturen sollen sich „einschleifen“. Nach einer Viertelstunde wird geshiftet und nach einer halben der Spi geborgen. Erneut üben wir das Setzen des Spi hinter der Genua. Beim Aufnehmen des Baumes ist Sorgfalt gefragt. Sowohl die Leinenführung, als auch das Shiften wird immer besser. Wir sind bereits beim Manöver Spi mit 70° am Wind. Die ständige Aufmerksamkeit wird anstrengend, doch der Bootsspeed von 10 km/h entschädigt uns. Es folgt ein Flautenloch mit etwas Sonne! Jetzt widmen wir uns Strömungsuntersuchungen und versuchen die besten Meßmittel für die Strömung zu herauszufinden - Fender oder fast gefüllte Flaschen. Wir entscheiden uns für die Flaschen! Das GPS gibt uns die beiden Wegpunkte von Beginn und Ende einer Zeitperiode. Auf dieser Basis errechnet Navigator Dirk die Drift. Gegen 16:00 Uhr können wir mit Wind auf der Kreuz unseren Hafen Kressbronn wieder anlaufen. Durch eine Böe bekommt das Schiff Lage und die Müslischalen poltern aus dem Schapp. Jetzt wissen wir auch, worauf das Schild „alle Schapps verschließen!“ hinweisen will. Um 18:15 Uhr sind wir im Hafen.

Inzwischen ist der Skipper persönlich am Ruder. Am Nachbarschiff ist ein Schlauchboot festgemacht. Das verwirrt zunächst, ist aber gut als Fender zu gebrauchen. Als die "Nr. 4" (unsere Regatta-Nummer) vertäut ist gönnen wir uns eine Dusche und kochen anschließend Gnocchi. Parmesan verfeinert unser Gericht. Eine Herausforderung ist anschließend das Spülen ohne Ablaufstopfen!

Es ist 20:15 Uhr und Zeit für unser Nachttraining. Wind kommt aus Richtung Obersee. Wir sind auf Am-Wind-Kurs und setzen die Trimmscheibe ein. Nächster Kurs mit Halbwindtrimm. Ich wundere mich über die vielen Fischernetze. Im Dunkel testen wir unser Beleuchtungsequipment. Vorm Wind geht es zurück Richtung W (neuer Trimm). Nach spinnackern steht uns jetzt nicht mehr der Sinn. Um 22:15 Uhr starten wir den Motor um von der Höhe Wasserburg zum Stützpunkt zurück zu fahren. Um 23:10 Uhr sind wir abgerackert im Hafen. Unseren tollen Bordscheinwerfer nutzen wir um uns von der Einfahrt bis in die Box zu bugsieren. Nach einem Absackerbier muß natürlich noch die Vorschiffkabine klariert werden! Schließlich fallen wir in die Kojen.

02.06.2010 / Ultra-Training

Zwischen 6 und 8 Uhr werden allmählich alle wach. Wieder wird das „Ahoi“ aufgesucht und Frühstücksbuffet (11,50 €/PP) eingenommen. Ab 09:15 Uhr flanieren wir durch den Ultramarin-Shop. Leichtwindspischoten stehen zur Disposition. Für mich und Ernst springt je ein Brillenband raus und für die "Nr. 4" neue Müslischalen. Um Punkt 10:00 Uhr beginnt das Regattatraining, das auf die Bodensee-Rund-um abgestimmt ist. Einweisung in die Praxis von Segelsetzen, -wechsel und –reffen. Direkt vor Ort - im Nieselregen!

04.06.2010 / Wettkampftag

Heute ist es richtig warm, so 24 °C und wenig Wind. Das Frühstück wird, wie so oft, im „Ahoi“ eingenommen. Es folgt weitere Gewichtsersparnis, Fock und Festmacher müssen raus, ebenso die Vorschiffspolster und schließlich das Stromkabel. Nach diesem Aufklaren wollen wir auslaufen. Diesmal bin ich Rudergänger. Gegen 15:30 Uhr legen wir ab und verholen 2 Boxen weiter um den Fäkalientank zu leeren, danach geht’s hinaus auf den See. Unter Vollgas nach Lindau. Treibholz beeinträchtigt immer wieder die Kurslinie. Gegen 16:30 Uhr sind wir im Hafen. Unser Tiefenmesser nervt weil ganz schön mies eingestellt. Auf Grund der Veranstaltung quirlt es hier im und um das Hafenbecken. Zudem pendeln die Fähren ständig ein und aus.

Wir entschließen uns Ernst und Skipper Michael an der Treppe des Fähranlegers über den Bug abzusetzen; dieses heikle Manöver fährt Dirk. Heute muß die "Nr. 4" beim Regattabüro gemeldet werden. Dafür gibt es Caps von der "Rund-um 2010". Die Zeit nutzen wir (der Rest der Crew) um die notwendigen Vorbereitungen durchzuführen: Windsituation an der Luvtonne, an der Leetonne und am Liegepunkt des Startschiffes (unser max. Luvstartpunkt).

Da die Startlinie 2 km lang ist gibt es ein Peildreieck an Land, das in Deckung mit der Luvtonne wiederum die Startlinie liefert (leider wurde die Luvtonne 30 Minuten vor dem Start noch weiter verholt, so dass diese Peilung nicht mehr stimmte). Weiter in der Checkliste, schnelle Rückwärtsfahrt, damit sich etwaiger Algenbewuchs noch löst. Schließlich Wassertank leeren und letzte scharfkantige Stellen abtapen. Per Handy werden wir von Ernst in den Hafen zurückbeordert. Die "Nr. 4" bugsiere ich mit dem Bug an die Leiter – fast zu forsch! Michael und Ernst steigen zu. Die Regattastimmung ist auf ihrem Höhepunkt. Eine Lücke in der Hafeneinfahrt zu erwischen ist eine Herausforderung, die schließlich gelingt. Erneut fahren wir die Tonnen ab. Der Wind ist jetzt luvwärtig stärker! Ernst übernimmt für den Start das Steuer. Die Startlinie füllt sich, so dass wir nur unter Motor in die Nähe einer optimalen Startposition kommen können. Dies ist ja auch bis 1 Minute vor dem Start regulär. So landen wir mitten im Feld, 3 Bootslängen vor der Linie, auf Backbordbug. Der Motor ist längst aus, allerdings haben wir die Schoten weit gefiert, damit wir nicht mit voller Fahrt über die Linie rauschen.

Es müssen noch 15 Sekunden überstanden werden! Plötzlich ziehen die Boote um uns herum an. Wir tun es Ihnen gleich. Kaum ist der Start gelaufen, schon hört man Raum-Rufe und sieht die ersten Kollisionen. Zum Glück haben wir eine schöne Lücke, in die wir weiter auf Bb-Bug einfahren können. Allerdings decken uns die Boote ringsum ganz schön ab! Aus vormals 12 kn Wind sind 4 kn übrig geblieben. Aber die Match springt weiter an. Wir können vor einigen Booten Raum gewinnen, aber verlieren gegenüber den größeren Racern, die von achtern heraneilen. Schon bald geht der Wind auf wenige kn zurück und für mich wird es Zeit in die Koje zu gehen um später fit zu sein. Von 20:00 Uhr bis 22 Uhr habe ich wachfrei, danach gibt es eine 5-Minuten-Terrine und ein paar Müsliriegel. Dann löse ich Ernst und Dirk von ihrer Wache ab. In der Nacht wechselt sich der schlaffe Wind mit Flaute ab. So dass es immer wieder heißt: aufmerksam jede Böe erkennen und sofort den Trimm auf die Windrichtung (meist am Wind) anzupassen. Bei der Gelegenheit stellen wir fest, dass die Trimmscheibe nur ein Anhaltspunkt sein kann, denn unsere Segel stehen anders. Dies liegt wohl im Schnitt und Verschleiß begründet. Je länger wir unterwegs sind, desto größer wird unser Wissen über unsere "Nr. 4". Leider können wir in der Nacht keine Plätze gutmachen - eher das Gegenteil - denn wir sind zu weit in die Bucht von Friedrichshafen eingetaucht und machen kaum Fahrt. Um 02:00 Uhr ist es bitterkalt und die Müdigkeit nimmt zu. Michael, der Trimmer geht in die Koje. An der Insel Mainau scheint ein Lüftchen zu wehen, das uns leider nicht erreicht - dafür die Konkurrenz. Seit 03:00 Uhr können wir die Tonne Meersburg ausmachen. Um 4:00 Uhr gönnt sich Skipper Michael seine Freiwache.

Nach endlos erscheinender Zeit erreichen wir im Morgengrauen, so gegen 05:00 Uhr, die Tonne Meersburg. Wir leuchten gemäß Segelanweisung unser Segel kurz an. Jetzt auf raumschots (ohne Wind) wollen wirs mal mit Spi probieren. Bisher sind keine Spischoten angeschlagen, das kostet eine halbe Stunde. Doch auch der Spi bringt uns und andere Boote nicht voran. Darum wird das Tuch wieder eingeholt. Es ist 06:00 Uhr und meine 2. Freiwache beginnt. Todmüde und durchgefroren schlafe ich schnell ein. Nach meiner Schlafphase mach ich mir und dem Rest der Crew eine Terrine - das hebt die Stimmung. So stehen wir von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr im Überlinger See. Die ersten Boote geben hier die Regatta auf. Manche vor, manche nach der Tonne. Wir können die Konkurrenz (die anderen Matches 35) gut ausmachen.

Jetzt tagsüber lassen sich sehr schön die Wind(hauch)felder auf dem See erkennen. Wir nutzen diese um wieder Boden gut zu machen. Die "Nr. 1, 007 + 14" setzen sich in die Schweiz ab. Wir halten uns aus de Rheinströmung heraus, immer weiter die Windfelder nutzend. Kurze Schläge wechseln mit langen Schlägen um vor die nächsten "Matches" zu kommen.

Die bereits bezwungene "Nr. 6" wechselt die Strategie und fährt ebenfalls zum Schweizer Ufer. Die "7" sucht ihr Glück mehr an der Deutschen Seite. In unmittelbarer Nähe sind die "2" und die "3". Mal erwischen sie, mal wir eine Böe. Je näher wir der Tonne Romanshorn kommen, desto mehr klärt sich die Front. Die "2" und die "3" greifen mit einem großen Holeschlag an. Nummer "6" kommt entlang des Schweizer Ufers auf und ist in gleicher Distanz zur Tonne. Mit kurzen Schlägen runden wir als erste die Tonne Romanshorn um dann wieder in der Flaute festzustecken. Auch der Versuch es der "3" gleichzutun - mit Spinnacker aus der Flaute kommen - ist erfolglos da kein Wind! Nummer "6" rollt das Vorsegel ein und motort gen Nordosten. Um 19:10 Uhr starten wir auch den "Dieselwind", während "nur "Nr. 3" noch kämpft. Wir fühlen uns als Klassensieger Romanshorn. Am Abend des 05.06.2010 stehen wir in der Ergebnisliste der Klasse 3. Stelle.

Unter Motor laufen wir in Lindau ein. Wir hatten den Hafenmeister telefonisch konsultiert, doch der benannte Liegeplatz ist bereits vergeben. Dafür wird just der Innenliegende am Steg frei. Durch die versetzen Dalben etwas schwierig anzulaufen. Der Tiefenmesser nervt wieder. Mit Ruhe wursteln wir uns vorwärts in die Box. Jeder kennt seinen Handgriff. Dann liegt die "Nr. 4" in Lindau und der Hafenmeister ist auch schon da. Jetzt geht es um die Liegegebühr! Er fragt nach der Bootsbreite, ich antworte ca. 3m und er sagt darauf: Steckt 13 Euro 50 in das Kuvert und werft dieses in den Briefkasten der Hafenmeisterei. Das klingt sehr unbürokratisch, doch im Kuvert steckt ein Immatrikulationsfragebogen. Ringsum ist Hafenfest, mit Musik, Woscht und Woi! Wir hoffen auf ein frühes Ende. Doch zunächst sind wir gespannt auf die Ergebnisse des Tages und begeben uns zum LSC. Hier sind beschämende 31 Boote gewertet. Das ist für uns und bestimmt die anderen Kämpfer deprimierend. Was hätte man bei dieser Schwachwindregatta besser machen können? Beim Ausgleichen unseres Flüssigkeitshaushaltes kommt doch glatt eine Moderatorin und befragt Skipper Michael über seine Meinung zur Rund-Um. Diplomatisch zieht er sich aus der Affäre. Nachdem wir gegessen haben beginnt das wirklich schöne Lindauer Feuerwerk. Anschließend stürzen wir uns ins Getümmel des Hafenfestes. Beide Michaels sind bettschwer und verabschieden sich in die Koje. Ernst, Dirk und ich drehen noch die Runde zur Sambaband mit Tänzerin. Nach kurzem Verweilen ziehen wir die Runde zu den Sanitäreinrichtungen. Hier testen wir unser Gedächtnis und kramen die Geheimzahl (von Hafenmeister und Stegnachbar zu erfahren) hervor. Danach gehen Ernst und Dirk ins Bett. Nur ich, ich sehne mich nach einer Dusche und pilgere deshalb erneut um den halben Hafen um mir das Regattafieber vom Leib zu spülen.

06.06.2010

Der nächste Morgen beginnt mit ausgeschlafenen Köpfen. Das Frühstück wird bei strahlender Sonne im gegenüberliegenden Kaffee eingenommen. Erleichtert und frisch geduscht werfen wir die Leinen los. Doch mit Bedacht, denn die Pfähle stehen eng und wir müssen auf die überstehenden Relingstüzten achtgeben. Ich stehe am Ruder und bugsiere die "Nr. 4" gen Kressbronn. Wieder behindern Treibholzfelder unsere Kurslinie. Gegen 14:00 Uhr treffen wir in Kressbronn ein. Jetzt heißt es „Arbeiten“, denn das Schiff muß wieder ordentlich ausgestattet werden. Um 15:30 Uhr telefonieren wir wegen der Bootsrückgabe mit dem Vercharterer. Dieser fragt nur nach Mängeln und verzichtet auf Grund der Angabe – keine Vorkommnisse - auf persönliche Anwesenheit. Toll! So könnte das öfter sein. Zum Ausklang gönnen wir uns eine Schnitzelmahlzeit. Danach bringen Michael und Dirk die Fahrer zum Parkplatz und nach dem Umpacken verabschieden wir uns. Bis zum nächsten Mal, denn nach dem Törn ist vor dem Törn!

Bericht von Jürgen Klingert.

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